Freitag, 21. April 2023 . 19:30 Uhr . Festsaal, Freiheitshalle Hof

8. Symphoniekonzert
Das Jahr 1905

Violoncello Christan Poltéra
Dirigent Hermann Bäumer

Werke
Sergej Prokofieff Sinfonia concertante e-Moll op. 125
Dmitrij Schostakowitsch Symphonie Nr. 11 op. 103
„Das Jahr 1905“

Wir laden Sie herzlich zur Konzerteinführung um 18:30 Uhr im Konferenzbereich Freiheitshalle Hof ein, der Eintritt ist frei.

„Nachdem ich die Revision meines Violoncello-Konzerts (op. 58) beendet hatte,
spürte ich einen starken Drang, weiter Musik für dieses Instrument zu schaffen.
Ich dachte an ein zartes Concertino für Violoncello und Orchester.“ So schrieb
der russische Komponist Sergej Prokofieff kurz vor seinem Tod. Das Concertino blieb unvollendet. Das Ergebnis der Revision des oben genannten Cellokonzerts aber, die Sinfonia Concertante, wurde fertig, bevor Prokofieff am 5. März 1953 starb – am selben Tag wie der russische Diktator Josef Stalin.
Unter Stalin hatte Prokofieff zuletzt starke Repressionen erleben müssen. Er gehörte, wie auch Dmitri Schostakowitsch, zu jener Gruppe russischer Komponisten, die sich 1948 erneut mit dem Vorwurf konfrontiert sahen, den Doktrinen des sozialistischen Realismus nicht deutlich genug Ausdruck zu verleihen.
Der Widmungsträger der Sinfonia Concertante, der russische Cellist Mstislaw
Rostropowitsch, erzählt, dass Prokofieff auf die auch gegen ihn gerichteten Verwarnungen offen ungehalten reagiert hat. Politisch naiv sei Prokofjeff gewesen, so Rostropowitsch, ganz anders als dessen Kollege Dmitri Schostakowitsch, der sich eine solche Naivität nicht leisten konnte.
Bereits 1936 hatte Schostakowitsch nach einer von Stalin besuchten Aufführung
der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ ein ungemein scharfes Echo in der „Prawda“ erhalten: „Chaos statt Musik“, hieß es in diesem redaktionellen Artikel, der sich in harten Worten gegen Schostakowitsch wandte. Für den Komponisten war es eine sehr ernstzunehmende Warnung, sich in künftigen Werken den Linien der Kulturpropaganda wieder zu fügen.
Die Symphonie Nr. 11 von Schostakowitsch wurde vier Jahre nach Stalins Tod uraufgeführt. Vordergründig ist sie eine kritische musikalische Auseinandersetzung mit der Revolution von 1905. Dem Komponisten
wurde für dieses Werk der Leninpreis 1958 zugesprochen. Beanstandet wurde, dass „die Gestalten des Bösen und der Gewalt mitunter prägnanter und ausdrucksvoller sind als die sieghaften, triumphierenden Gestalten“: Schostakowitsch komponierte demnach zu wenig einseitig. Seine Elfte ist beklemmend und spannungsvoll gleichermaßen, mit Zitaten aus russischen Volksliedern. Die fast filmmusikalisch anmutende Partitur – Spieldauer
1 Stunde – bildet ein tief bewegendes Gegengewicht zu Prokofieffs herausragend
virtuoser Sinfonia Concertante; sie dauert etwa 40 Minuten.
Deren Solopart übernimmt der Züricher Cellist Christian Poltéra, der, bevor er bei
Heinrich Schiff in Salzburg und Wien studierte, unter anderem von dem russischen Cellisten Boris Pergamentschikow unterrichtet worden ist.
Dirigent ist Hermann Bäumer.